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Tiefenschärfe - Die Blende als Stilmittel



Eines der beliebtesten Themen in der Fotografie und vor allem in der digitalen Spiegelreflexfotografie ist die richtige Wahl der Blende.
Ein Streitthema, welches sich durch Lektüren, Foren und Diskussionen auf Treffen wiederfinden lässt.

Jedes Objektiv beinhaltet die hochgelobte Blende, denn diese arbeitet im Prinzip ähnlich wie das menschliche Auge und steuert mitunter das durchzulassende Licht pro Zeit auf eine Fläche.

In Foren wird das Thema "Tiefenschärfe" oder auch "Schärfentiefe" intensiv diskutiert und es kommen immer wieder Missverständnisse bei den Begriffen "kleine Blende" und "große Blende" auf.
Üblich ist es, dass die "kleine Blende" eine "große Blendenzahl", zum Beispiel f/32 verkörpert und die große Blende, also die Offenblende eine sehr kleine Blendenzahl, zum Beispiel f/1.4 beinhaltet.
Da fragt sich dennoch der übliche Besitzer einer digialten Spiegelreflexkamera ,was dies nun alles zu bedeuten hat, denn ich lasse doch eigentlich nur einen gewissen Anteil an Licht pro Zeit auf eine Fläche durch.

Dies ist theoretisch und praktisch auch vollkommen richtig, jedoch beeinflussen wir mit der Blendenzahl "kleine Blende , große Blende" auch den Schärfeverlauf in Richtung der Tiefe.
Aus Analogzeiten kennen wir den Begriff "Schärfentiefe", da die Schärfe als Verlauf in die Tiefe geht. Im Zeitalter der Digitalfotografie taucht auch immer wieder der Fachbegriff "Tiefenschärfe" auf, dieser auch üblich in den neueren Werken / Lektüren zu lesen ist.

Wie angedeutet, beeinflussen wir den Schärfeverlauf mit der "kleinen Blende" oder "großen Blende". Um das Definitionsproblem positiv zu gestalten, werden wir in diesem Artikel über die Blendenzahl sprechen.

Eine "kleine Blendenzahl" bedeutet eine große Blendenöffnung, folglich ist der Wert klein (z.B. f/1.4) und es kommt viel Licht pro Zeit durch die Blendenöffnung hindurch. Geht die Blende bei variablen Brennweiten-Objektiven von f/3.2-f/5.6, ist die f/3.2 die kleinste Blendenzahl und somit die Offenblende bei diesem Objektiv.
Je nach Brennweite würde sich die Offenblende nun in Richtung f/5.6 verschieben und bei dem Canon Kit Objektiv f/3.5- f/5.6 18-55mm bei 55mm eine Offenblende von f/5.6 bestehen.

Der Schärfeverlauf ist abhängig von der gewählten Brennweite und der dazugehörigen bzw. gewählten Blende. In unserem Beispiel wurde mit dem Canon EF 35mm f/1.4 Festbrennweitenobjektiv eine Blendenreihe aufgenommen. Dabei gehen wir von der Offenblende, der kleinsten Blendenzahl bis zu einer großen Blende von f/9.0 hoch.

 

Animation des Tiefenschärfe-Verlaufs bei Canon EF 35mm f/1.4

Bokeh (Freistellung) bei Canon EF 35mm f/1.4 mit Blende f/1.4 Bokeh (Freistellung) bei Canon EF 35mm f/1.4 mit Blende f/2.8 Bokeh (Freistellung) bei Canon EF 35mm f/1.4 mit Blende f/4.0 Bokeh (Freistellung) bei Canon EF 35mm f/1.4 mit Blende f/5.6 Bokeh (Freistellung) bei Canon EF 35mm f/1.4 mit Blende f/9.0

 

In dem Beispiel wird deutlich sichtbar, dass sich die Schärfe aus der Tiefe in den Vordergrund verschieben wird, da wir in der Animation von einer großen Blendenzahl f/9.0 bis zur Offenblende f/1.4 drehen.
Hierbei handelt es sich um eine Reihenaufnahme mit jedes Mal angepassten Blendenwerten.
Die Lichtverhältnisse veränderten sich geringfügig, dennoch sollte der Effekt im Beispiel mit dem Schärfeverlauf deutlich genug sein.
Der Schärfepunkt vom Autofokus-Messfeld liegt direkt auf der Kante der Aluminium-Schelle. Dadurch wird der Effekt der Tiefenschärfe noch weiter verstärkt.

Bei Porträtaufnahmen wird die Blende als Stilmittel verwendet, denn die sogenannte Freistellung eines Objekts vom Hintergrund (Bokeh) ist auch von der Blendenwahl abhängig. Bei einer Blende von f/9 wie in dem Beispiel zu sehen, ist der Hintergrund bereits sehr gut freigestellt und dieser lenkt vom eigentlichen Objekt im Vordergrund ab. Stufen wir die Blende in Richtung Offenblende ab, sodass wir eine kleine Blendenzahl haben, sehen wir schnell, dass der Hintergrund „verschwimmt“ und sich das menschliche Auge auf das eigentliche Objekt konzentriert. Dieser Stil wird in der Spiegelreflexfotografie als „Freistellung“ oder „Freistellen vom Hintergrund“ definiert und ist ab einer Entfernung zwischen Kamera(objektiv) und Objekt von ca. 1,5 Metern schnell zu realisieren. Es kommt dabei auch auf die Objektivwahl an. Bei Teleobjektiven, zum Beispiel bei dem Canon EF 70-200mm f/2.8 IS USM, wird die Freistellung schon bei 70mm und einer Distanz von ca. 1,5 Metern sichtbar.

Weitere Informationen zur Freistellung von Objekten in der digitalen Spiegelreflexfotografie mit dem Stilmittel der „Blende“ gibt es im Internet unter dem Begriff „Bokeh“ zu finden.






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